Ölpreis-Schock: Was steckt hinter Russlands Strategie?

Russland blockiert die Förderbremse: der Preiskampf und Angebotsüberschuss intensivieren sich.

Um was geht es? Am vergangenen Freitag 6. März waren die Verhandlungen zwischen dem Ölkartell Opec und Russland über eine gemeinsame Förderbremse gescheitert – wohl auf Ansinnen Moskaus.

Folglich wird es ab dem 1. April weder für die Opec, noch für die Nicht-Opec-Staaten wie Russland eine Begrenzung hinsichtlich der Ölproduktion geben. Damit drohen dem Ölmarkt ein weitreichender Preiskrieg und ein immenser Angebotsüberschuss.

Bereits am Sonntag hat das Opec-Mitglied Saudi-Arabien reagiert und will laut der Nachrichtenagentur Reuters den Ausstoß massiv hochfahren. So plant der weltgrößte Ölexporteur die Produktion ab April auf mindestens zehn Millionen Barrel je Tag zu steigern. Zuvor hatte man 9,7 Millionen Barrel pro Tag produziert. Und: Der saudische Ölkonzern Saudi Aramco kündigte unterdessen an, den offiziellen Verkaufspreis für sämtliche Ölsorten und Abnehmer zu reduzieren. Damit werde man die Lieferungen nach Nordwesteuropa um acht Dollar pro Barrel verbilligen, hieß es.

Öl-Aktien im Abwärtssog.

Für den Ölmarkt eine Doppelbelastung, immerhin sorgte die Corona-Krise ohnehin bereits für einen Rückgang der Nachfrage, auch weil Airlines rund um den Globus etliche Flüge streichen müssen. Während sich die Verbraucher wohl über ein Absinken der Sprit- und Heizölpreise freuen dürfen, gerieten die Aktien der bekannten Mineralölfirmen am Montag jedenfalls in den Abwärtssog.

So verloren die Shell-Papiere rund 14 Prozent und waren damit so wenig wert wie zuletzt in der Finanzkrise. Noch schlechter lief es zu Wochenbeginn beim Wettbewerber BP. Dessen Anteilsscheine brachen gar um 20 Prozent ein. Bei Total betrug das Minus indes 12 Prozent. Aber auch für den saudischen Ölriesen Aramco ging es abwärts. Die Papiere verloren an der Börse Riad gut zehn Prozent auf 27 Riyal und notierten damit erstmals unter dem Ausgabepreis von 32 Riyal.

Moskaus Preisstrategie: ein Frontalangriff auf die USA?

Die Gretchenfrage aber bleibt: Warum hat Russland die Verhandlungen zur Förderbremse platzen lassen? Am Montag hat die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) nun einen Erklärungsversuch veröffentlicht. Demnach haben russische Delegierte, die nach Angaben der FAZ unerkannt bleiben wollen, berichtet, dass der Rückzug Russlands als eine Kampfansage an die USA zu bewerten sei. Die Insider verwiesen dabei auf eine im Februar angeordnete Strafmaßnahme Washingtons gegen eine Tochter des russischen Mineralölgiganten Rosneft.

Das Kalkül der Machtdemonstration: Der von Moskau initiierte Preisverfall soll laut dem Medienbericht die nordamerikanischen Fracking-Anbieter schädigen. Die Fracking-Methode gilt als vergleichsweise teuer und lohnt sich im Prinzip nur bei hohen Ölpreisen, weshalb die entsprechenden Anbieter wohl oder übel ihre Förderung reduzieren oder gar vollständig eindampfen müssten. Russland würde damit einen aufstrebenden Wirtschaftszweig der USA direkt angreifen. Immerhin hat sich das Land auch unter Donald Trump verstärkt zu der viel kritisierten Bohrtechnik bekannt und ist deshalb inzwischen zum größten Schieferölproduzenten der Welt aufgestiegen – noch vor Saudi-Arabien.


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